Systemische Beratung in der Sozialen Arbeit – Ein Gespräch mit Linda Jobski

Im Interview spricht Linda Jobski über Ihre Motivation und wie sie in Ihrem Arbeitsalltag von der Fortbildung profitiert. Die Diplompädagogin ist seit 2012 beim Verein zur Förderung von Menschen mit Behinderungen Darmstadt e.V. tätig und dort seit 2019 Hauptverantwortliche in der psychosozialen Beratung. Die Systemische Beratung in der Sozialen Arbeit ist eine 12-monatige von der Deutschen Gesellschaft für Systemische Soziale Arbeit (dgssa) zertifizierte Weiterbildung.

PAS: Was war Ihre Motivation die Fortbildung „Systemische Beratung“ in der Sozialen Arbeit zu besuchen?

LJ: Bereits während meines Hauptstudiums habe ich mich sehr für den systemischen Beratungsansatz interessiert. Anfang 2019 bot mein Arbeitgeber mir die Möglichkeit, die Stelle der psychosozialen Beratung von einer sehr geschätzten Kollegin zu übernehmen, die im Herbst 2018 unerwartet verstarb. Die Kollegin machte bereits vor gut 15 Jahren eine zertifizierte Ausbildung zur systemischen Therapie und Beratung an der Evangelischen Hochschule Darmstadt und gründete im Jahre 2010 die psychosoziale Beratungsstelle unseres Vereins. Auch wenn ich in den Jahren der Zusammenarbeit viel von ihr lernen konnte, so war klar, dass ich mein Wissen zur systemischen Beratung auf jeden Fall noch vertiefen musste, wenn ich die Arbeit in ihrem Sinne fortsetzen wollte. Nachdem ich mir die diesbezüglichen Bildungsangebote verschiedener Institutionen angesehen hatte, schien mir der Fortbildungsgang „Systemische Beratung“ in der Sozialen Arbeit“ am geeignetsten. Mich überzeugte die Themenvielfalt, die im Rahmen der Fortbildung vermittelt wird. Außerdem fand ich es sehr vielversprechend, dass die Fortbildung nicht nur von einer oder zwei Personen, sondern insgesamt von fünf Lehrkräften mit jeweils ganz unterschiedlichen Schwerpunkten durchgeführt wird.

PAS: Was haben Sie mitgenommen? Inwiefern profitieren Sie in Ihrem Arbeitsalltag von der Fortbildung?

LJ: Erst einmal hat mich die Ausbildung für mich ganz persönlich sehr bereichert. Ich dachte bis dahin, dass ich über mich selbst eigentlich schon alles wüsste und alle meine „blinden Flecken“ bereits enttarnt hätte. Im Laufe des Ausbildungsjahres habe ich herausgefunden, dass ich mich in diesem Punkt geirrt habe… Ich habe mich durch die Fortbildung noch einmal besser kennengelernt.

Beruflich profitiere ich von der Fortbildung, da ich durch das vertiefte theoretische Wissen über Systemtheorien im Allgemeinen und systemischer Beratung im Speziellen nun eine viel differenziertere und „möglichkeitsoffenere“ Sichtweise auf Menschen, Situationen und Probleme habe. Es fasziniert mich, dass sich mit dem systemischen Beratungsansatz Ursachen und Faktoren eines Konflikts oder eines Problems aufdecken lassen, die anfangs überhaupt nicht sichtbar bzw. ersichtlich waren. Während der Zeit der Fortbildung hatte ich beispielsweise einen Klienten in der Beratung, der wegen Depressionen zu mir kam. Er hatte zwei Jahre zuvor einen Schlaganfall erlitten und hat aufgrund dessen nun körperliche Einschränkungen und massive Gedächtnisschwierigkeiten. Seine Lebensgefährtin und das ihn betreuende Personal aus der Tagesstätte waren der Meinung, dass der Klient mit seiner Behinderung haderte und daher depressiv geworden sei. Der Klient hatte die Meinung seines Umfelds angenommen und hielt seine Behinderung für die Ursache der psychischen Probleme. Im Laufe des Beratungsprozesses fanden mein Klient und ich jedoch gemeinsam heraus, dass es gar nicht die Folgen seines Schlaganfalls an sich waren, unter denen er seelisch so stark litt, sondern dass es der Umgang seiner Lebensgefährtin mit der Behinderung war. Die Lebensgefährtin kontrollierte und bestimmte den gesamten Tagesablauf meines Klienten, aus Angst, ihm könnte etwas passieren oder er würde allein nicht zurechtkommen. Mein Klient war seiner Freiheit, seiner Selbstbestimmung beraubt. Dadurch ist er depressiv geworden. Diese Erkenntnis gab meinem Klienten wieder ein Stück Handlungsfähigkeit zurück. Er begann, sich seiner Partnerin gegenüber abzugrenzen und bestand darauf, wieder Privatsphäre und Autonomie zu erhalten. Dies war für die Partnerin nicht aushaltbar. Das Paar entschied sich zur Trennung. Beiden geht es seitdem besser, sie haben nach wie vor freundschaftlichen Kontakt.

PAS: Was würden Sie Leuten raten, mitgeben, die sich für diese Fortbildung interessieren?

LJ: Wer sich für diese Fortbildung interessiert, sollte bereit sein, sich intensiv mit seiner Persönlichkeit und mit seinen Lebensthemen auseinanderzusetzen. Das Seminar geht stellenweise sehr in die Tiefe und es kann dadurch bei dem einen oder anderen ganz schön emotional werden. Aber ich kann nur jedem empfehlen, die Fortbildung „Systemische Beratung in der Sozialen Arbeit“ durchzuführen. Die von der Paritätischen Akademie Süd dafür ausgewählten Lehrkräfte sind absolut kompetent und erfahren. Alle Seminareinheiten sind abwechslungsreich und interessant gestaltet. Man lernt in dem Jahr ein großes Repertoire an systemischen Methoden kennen und hat in den Präsenzeinheiten sehr viel Raum zum Ausprobieren. Auch der Austausch mit den anderen Fortbildungsteilnehmern ist eine Bereicherung für die eigene Arbeit. Denn man erhält wertvolle Impulse, Anregungen und Rückmeldungen. Ich würde mich jederzeit wieder für diese Fortbildung entscheiden.

Infoveranstaltung 
16.01.2021, 10.30 – 12 Uhr, online, Anmeldung erforderlich, damit Sie einen Zugang erhalten

Systemisches Arbeiten in der Sozialen Arbeit - zertifizierte Weiterbildung (dgssa)
Anmeldeschluss: 15.03.2021; Frühbucher-Rabatt bis zum 31.12.2020
Start: 16.04.2021
Studiengangsleiterin: Petra Baumgärtner - hier finden Sie das Interview mit der Dozentin
Kosten: 3.590,00 €

Kontakt & Beratung
Venus Rosstami
Tel. 0172 5981118
rosstami@akademiesued.org

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