Mensch trifft Maschine: wie wir KI in der Sozialwirtschaft einsetzen können - Dozentin Julia Junge im Interview

KI ist in der Sozialwirtschaft ein noch ganz neues, aber hochinteressantes Thema. Sie bringt viele Lösungen und auch ganz eigene Probleme mit sich: von den technischen Aspekten und Anwendungsbereichen über den rechtlichen Rahmen bis hin zur ethischen Debatte darüber, wo und wie sie eingesetzt werden sollte. Wir als PAS haben in den vergangenen Monaten unsere Kompetenz und unser Angebot als Fort- und Weiterbildungsträger in dem Bereich KI stark erweitert. Mit an Bord sind einige neue Dozent*innen sowie Dozent*innen, mit denen wir schon lange zusammenarbeiten, die unser Angebot um viele neue Seminare ergänzen.

Dazu gehört auch Julia Junge, die nicht nur einen informativen Beitrag zu unserer neuen KI-Landingpage unter www.akademiesued.org/ki geleistet hat, sondern uns auch im Interview einige Fragen zu ihren KI-Seminare beantwortet.  

PAS: Frau Junge, wo sehen Sie mögliche Einsätze von KI in der Sozialwirtschaft?

JJ: Ich ordne die Möglichkeiten von KI gern anhand von drei Fragen: Wo verbessert KI die Qualität meiner Arbeit? Wo spare ich Zeit? Und wo kann ich plötzlich Dinge, die vorher unmöglich schienen?

Zur Qualität: KI springt ein, wenn Kolleg*innen zum Sparring fehlen. Sie prüft Texte auf Verständlichkeit, passt Briefe oder Newsletter an verschiedene Zielgruppen an oder gibt konstruktives Feedback zu Workshop-Konzepten. Ein Beispiel: Eine Kita-Leitung schreibt einen Elternbrief und lässt ihn von der KI in einfache Sprache übersetzen – für Eltern, die noch nicht gut Deutsch sprechen. Oder ein Projektantrag wird auf Schwachstellen geprüft, bevor er rausgeht. Gerade in der Sozialwirtschaft, wo wir Multitalente sein müssen, ist das enorm wertvoll.

Zur Zeitersparnis: Aus einem ausführlichen Sommerfest-Bericht entstehen mit KI eine Website-Version, Newsletter-Teaser, Social-Media-Posts und eine Zusammenfassung für Fördernde – in Minuten statt Stunden. Oder: Ein Konzept für einen Workshop wird in verschiedene Formate umgewandelt – für verschiedene Zielgruppen, verschiedene Längen, verschiedene Anlässe.

Und das Neue: Kleine Vereine können plötzlich mehrsprachige Chatbots für häufige Fragen einrichten, Onboarding-Materialien erstellen oder eigene Illustrationen, Podcasts, Videos, sogar eigene Apps mit Hilfe von KI-Tools entwickeln – ohne teure Agenturen oder Programmierkenntnisse. Das eröffnet Möglichkeiten, die vorher schlicht nicht finanzierbar waren.

PAS: Was ist der Vorteil daran, eines Ihrer Seminare zu besuchen, anstatt sich auf gut Glück selbst "durchzuwurschteln"?

JJ: Live-Workshops sind mit YouTube-Tutorials nicht vergleichbar. Tutorials im KI-Bereich sind oft schon beim Hochladen veraltet und vor allem: Sie lassen Sie allein, wenn Sie nicht weiterkommen oder Fragen haben, die nicht im Video beantwortet werden.

Meine Workshops schaffen einen gemeinsamen Raum für das Verstehen, Ausprobieren, Fragen stellen, Probleme lösen und – ganz wichtig – für das Scheitern mit Humor. KI verursacht Angst und Überforderung. „Mache ich was falsch?" „Warum klappt das nicht?" „Darf ich das überhaupt?" In meinen Workshops habe ich für all das Raum und zeige zahlreiche Tipps und Beispiele, um ins praktische Tun zu kommen.

Ich vermittle dafür aufbauend auf einem technischen Grundverständnis die Grundlagen, um KI sinnvoll im eigenen Alltag einzusetzen und Prompting zu verstehen. Und das Beste: Der Austausch mit anderen aus der Zivilgesellschaft: Gemeinsame Übungen, geteilte Fails, gegenseitige Inspiration – das bringt oft weiter als jedes Tutorial. Die Teilnehmenden lernen dabei nicht nur von mir, sondern vor allem voneinander. Und sie erleben: Ich bin nicht allein mit meinen Fragen und Zweifeln.

PAS: Die Technik bewegt sich schnell voran - Wie gehen Sie sicher, dass die Seminare aktuell bleiben? Und ist mein Wissen nach einem Seminar als Teilnehmer*in nicht sofort veraltet?

JJ: Die Frage ist berechtigt! Tatsächlich entwickelt sich KI rasant. Aber – und das beruhigt viele – es gibt einen stabilen Kern, der bleibt: Das Verständnis, wie KI Antworten vorhersagt, die Grundlagen des Promptings, ethische Fragen, Datenschutz-Prinzipien. Ich selbst lese zahlreiche Newsletter, teste jede Woche neue Features und Tools und integriere KI selbst in fast alle meine Arbeitsprozesse. Aber dennoch ist sehr viel immer wieder identisch.

In meinen Seminaren vermittle ich diesen Kern statt aktuelle fancy Tools. Wer versteht, wie KI lernt, wie Chain-of-Thought funktioniert oder warum das KLARO-Schema wirkt, kann das in jedem Tool anwenden. Und ehrlich gesagt: Zumindest bei Texttools erleben wir seit anderthalb Jahren keine grundlegenden Veränderungen, sondern viele kleine Verbesserungen. Ein gutes Fundament reicht also für den eigenen Weg mit KI erstmal eine ganze Weile aus.

Und auf Wunsch gebe ich gern Tipps für Newsletter oder Podcasts, mit denen Teilnehmende die Entwicklung ohne ständige Überforderung beobachten könnt. Was allerdings meist viel wichtiger ist, ist der Austausch mit Kolleg*innen in den eigenen Organisationen und über Organisationsgrenzen hinweg. 

Vielen Dank für das Interview, Frau Junge!

Sie möchten Ihr Know-how in der Nutzung von KI erweitern? Schauen Sie auf unserer Landingpage (www.akademiesued.org/ki) vorbei und informieren Sie sich über unser Angebot an Seminaren zum Thema KI. 

Ein besonderes Augenmerk liegt hier auf den beiden Angeboten von Julia Junge:

Prompting leicht gemacht – KI als Einsteiger*in verstehen und nutzen
am 09.12.2026 von 09:00 bis 13:00 online
ab 170€

Prompting und Assistenzen – KI verstehen und nutzen für Fortgeschrittene
am 17.12.2026 von 09:00 bis 13:00 online
ab 170€

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