
Sprache ist der Schlüssel – für Miteinander und Fachkräftesicherung – ein Interview mit unserer Dozentin für deutsche Sprache Julia Kienzle-Schwarz
"Es gibt bei uns keinen Unterricht von der Stange." Durch gute Kenntnisse der deutschen Sprache, gelingt die Integration und langfristige Bindung von den so dringend benötigten Fachkräften im deutschen Arbeitsmarkt im Allgemeinen und in den Einrichtungen des Paritätischen insbesondere. In unserem Sprachzentrum wird nicht nur die deutsche Sprache und Grammatik erlernt, sondern unsere engagierten Dozent*innen vermitteln empathisch wie professionell auch die deutsche Kultur und die Fähigkeit zu kommunizieren. Lernen Sie im Interview eine von Ihnen kennen.
PAS: Was fasziniert Dich persönlich an der Deutschen Sprache?
JKS: Ich mag die deutsche Sprache sehr gerne, weil wir in dieser Sprache sehr genau und detailliert formulieren können, was wir gerne möchten, denken, fühlen. Ich finde auch die Redewendungen toll, die erklären in einem kurzen Satz, welches Gefühl, welche Stimmung gerade eine Person hat. Zum Beispiel: „Tomaten auf den Augen haben“ das bedeutet, man sieht naheliegende Dinge nicht. Die Redewendung lässt sich natürlich nutzen, wenn jemand etwas sucht und es nicht findet. Aber eben auch, wenn eine Person Gefühle nicht erkennt.
PAS: Es gibt neben den bekannten Deutschsprachkursen von Niveau A1 – C1, spezielle Kurse für FSJler und Fachsprachkurse Pflege und seit kurzem auch einen „Sprachkurs für Alle“, eine Art Inhouse-Angebot. Kannst Du kurz erklären, was dahintersteckt und für wen der Kurs ist?
Ja, der Titel sagt tatsächlich alles. Es ist ein Sprachkurs für alle Personen, die in einer Einrichtung oder Institution arbeiten, und zwar in unterschiedlichen Positionen. In diesem Kurs eint uns, dass wir gemeinsam die deutsche Sprache verbessern möchten. Und da wir dieses Angebot für 6 Personen maximal ausschreiben, schaffen wir es als Dozentinnen die unterschiedlichen Niveaustufen zu verbinden.
Konkret heißt es: Die Einrichtung hat einen FSJler, eine Praktikantin, eine Auszubildende, eine Hauswirtschafterin und eine Pflegekraft in Anerkennung, dann dürfen alle in einen Kurs kommen und wir versuchen allen gerecht zu werden.
PAS: Warum sollte ich einen Sprachkurs bei Euch buchen? Also, was unterscheidet Eure Deutschsprachkurse von anderen?
Wir glauben fest daran, dass wir mit unseren Kursen nicht nur die deutsche Sprache und die Grammatik, sondern auch das Verständnis für dieses Land, die Demokratie, die Rechte und Pflichten eines jeden einzelnen und die Kultur vermitteln können.
Es gibt bei uns keinen Unterricht von der Stange, sondern nehmen bei Bedarf immer wieder Themen aus dem Alltag auf wie das korrekte Lüften. Wir wollen, dass sich die Menschen integrieren. Dies passiert, wenn von beiden Seiten Verständnis und die Bereitschaft vorhanden ist, Neues kennenzulernen und anzunehmen. So ist die Mülltrennung eben eine Herausforderung in Deutschland. Was darf in die gelbe Tonne und warum sollte ich meine Wohnung regelmäßig lüften?
PAS: Ihr bietet nicht nur Sprachkurse, sondern auch Prüfungen?
Viele können sich nicht vorstellen, wie nervös die Teilnehmenden sind. Die Sprachprüfungen entscheiden über die Berufsanerkennung oder den Familiennachzug. Es lastet ein großer Druck auf den Prüflingen. Wir versuchen die Prüfungssituation angenehm zu gestalten und versorgen die Teilnehmenden nicht nur mit Bleistiften, sondern auch mit frischen Obst.
PAS: Kann man die Prüfung bei Euch machen, auch wenn man den Kurs bei Euch nicht besucht hat?
Natürlich kann sich jeder bei uns anmelden. Wir brauchen dazu die vollständige Anschrift, das gewählte Sprachniveau und den gewünschten Prüfungstermin. Wir versuchen die Prüfungen monatlich anzubieten. Eine Ausnahme ist der August, da sind einfach viele in den Ferien. A1 und A2 Prüfungen sind im Paket abzulegen. Das bedeutet schriftlich und mündlich zusammen. Wenn der Prüfling bereits einen Teil der B1, B2, C1 oder C2 Prüfung bestanden hat, dann kann er sich für den noch fehlenden Teil bei uns anmelden. Das ist kein Problem.
PAS: Wofür steht telc?
Telc ist ein zertifizierter Anbieter, der von allen Institutionen in Deutschland anerkannt ist. Hier ist es wichtig für alle, dass diese Prüfungen bitte bei einem der anerkannten Intuitionen abgelegt werden. Diese sind: Goethe, telc, ÖSD und ECL.
PAS: Was manche vielleicht nicht wissen: Ihr unterstützt auch beim Finden von Fachkräften im Ausland. Kannst Du kurz beschreiben, wie das funktioniert und woher die Menschen kommen?
Wir haben eine Partnerin, mit der wir bereits einige sehr gute Projekte gemacht haben. Wir arbeiten Hand in Hand. Sie findet motivierte junge Menschen aus unterschiedlichen Ländern, Kosovo, Afrika oder Vietnam und wir starten dann in der Kooperation bereits im Heimatland und begleiten die Menschen sprachlich. Das war in der Vergangenheit oft sehr gut, weil wir im Deutschkurs manche bürokratischen Vorgänge und Wartezeiten erklären konnten. Es ist auch hier so, dass Wissen vor Ungerechtigkeit, vor Missverständnissen und vor nicht ausgesprochenen Problemen schützt.
Einen genauen Ablaufplan gibt es nicht, aber im Normalfall ist es so, dass unsere Partnerin mit der Sprachschule im Heimatland eine Vorauswahl gemäß den Vorstellungen des Kunden trifft. Daraufhin folgen persönliche Gespräche mit den Kandidaten, eben wir Vorstellungsgespräche in Deutschland auch ablaufen. Wenn sich dann der Kunde und der Kandidat einig sind, dann werden die Unterlagen eingereicht und ein Visum beantragt. Mit dem Visum kommen die Kandidaten nach Deutschland und beginnen dort zu arbeiten. Der Sprachkurs wird – auch mit einem B2 Zertifikat – fortgeführt, meist bis zur Anerkennung der Gleichwertigkeit des Berufes.
PAS: Manche können sich vielleicht noch an Dich erinnern: Du hast schon mal als Referentin für Kommunikation und als Bildungsmanagerin bei der PAS gearbeitet. Wie kamst Du mit Nicole und dem Sprachzentrum zurück zur PAS?
Die deutsche Sprache und Literatur begleiteten mich ja sehr intensiv seit meinem Studium und ich habe durch einen Zufall entdeckt, dass ich meine Begeisterung für die deutsche Sprache und positive Energie auf andere Menschen übertragen kann. Ich habe Freude am Unterrichten.
Und als wir einen Ort gesucht haben, an dem wir wertschätzend, individuell und effektiv Menschen unterrichten können, da bin ich auf die Akademie Süd zugegangen. Wir können hier unser telc – Prüfungszentrum einrichten und allen Menschen die Möglichkeit geben, dass wir sie in den Niveaustufen A1 bis C2 prüfen.
Darüber hinaus dachten wir, dass es keinen besseren Ort gibt, als die Paritätische Akademie Süd, da sich unsere Werte und die Werte der Paritäter*innen decken. Wir wollen Integration in Deutschland machbar machen. Das geht aber nur, wenn beide Seiten aufeinander zugehen. Ich muss nicht mit allem einer Meinung sein, aber ich muss mit den Mitmenschen tolerant und kompromissbereit sein. Das ist aber unabhängig von der Nationalität unser Grundsatz.
PAS: Gibt es eine „Erfolgsgeschichte“, die Du teilen kannst?
Eine meiner Schüler*innen war konzentriert und fleißig im Sprachkurs. Sie konnte dadurch und durch eine große Portion an Eigeninitiative und selbständigem Lernen die B2 Prüfung beim ersten Versuch erfolgreich ablegen. Nach der erfolgreich absolvierten Prüfung hat sie ein Angebot erhalten, direkt nach der Ausbildung, ein Duales Studium beginnen zu können. Das finde ich ein gelungenes Beispiel, das zeigt wie Sprache, Ausbildung und Selbstmotivation ineinandergreifen können.
Vielen Dank für das Gespräch!
Das bietet unser Sprachzentrum
- Mehr über die Angeboten Sprachkurse finden Sie hier.
- Informationen zu den von telc zertifizierten Prüfungsterminen am 13.12.2025, 31.01.2026 und weitere Termine finden Sie hier.
- Wie die Fachkräfte zu Ihnen kommen, erfahren Sie hier.
Kontakt und Beratung
Bei Fragen wenden Sie sich gerne direkt an Julia Kienzle-Schwarz oder Nicole Emmanouilidis unter sprachzentrum@akademiesued.org oder rufen Sie uns an unter: 0711 286976-10